Donnerstag, 23 Juni 2011
Autor: Treff3

Moctezumas Rache

Artikel bewerten
(3 Bewertungen)
Cocina Mexicana deliciosa Cocina Mexicana deliciosa (fuente: http://mexico.cnn.com)
Einer mexikanischen Legende zufolge ist das Leiden so mancher Touristen dem Fluch des Moctezuma zuzuschreiben.

Auf Reisen in subtropische Urlaubsgebiete sind nicht Sonnenstich oder Insektenbisse die häufigste Gesundheitsstörung, sondern der Reisedurchfall.

Die mexikanische Küche wurde 2010 durch die UNESCO als Kulturerbe ausgezeichnet. Sie ist ein Hochgenuss für jeden Reisenden, kann diesen aber auch mit Kolibakterien in Berührung bringen - den Laufburschen des Moctezuma.

Leidvolle Toilettenbesuche
(Quelle: www.blogsdelagente.com)

 

Durchschnittlich 40% aller europäischen Mexiko-Touristen sind im Laufe ihres Aufenthalts davon betroffen. Bei jährlich mehr als 150.000 deutschen Mexiko-Touristen führen solche Beschwerden zu zahlreichen, leidvollen Toilettenbesuchen.

Schon bei einem normalen Besuch an Mexikos schönen Stränden ist jeder Fünfte betroffen, doch steigt bei jungen Touristen auf Abenteuer-Reisen die Rate auf 60%.

Selbst Sporthelden sind nicht gefeit; diese wurden schon bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko durch Nierenschmerzen, Fieber und Darmbeschwerden um ihre Medaillenchance gebracht.

Schreckensherrscher mit einer gehörigen Portion Pech

Moctezuma II war kein Kind von Traurigkeit und zu seiner Zeit ein gefürchteter Kriegsherr. Da die Azteken glaubten, den Lauf der Gestirne und der Welt nur mit Menschenblut in Gang halten zu können, mussten bittere Eroberungsfeldzüge für menschliche Opfer sorgen.

Die Aztekenkaiser inszenierten sogenannte „Blumenkriege“ mit benachbarten Staaten, die ausschließlich der Gefangenenjagd dienten.

Cortés war es möglich, durch die Dolmetscherdienste seiner Geliebten, Malinche, an entscheidende Informationen zu kommen. Durch diplomatisches Geschick gelang es ihm, die Völker, die den Azteken tributpflichtig waren und durch die „Blumenkriege“ gelitten hatten, für sich zu gewinnen.

Im November 1519 zogen deshalb nicht nur 500 Soldaten unter der Führung vom spanischen Eroberer Hernán Cortés in Tenochtitlán ein, sondern auch Tausende indianischer Krieger.

Als Cortés in Tenochtitlán  eintraf, hielt ihn der Aztekenherrscher fälschlicherweise für den Gott Quetzalcúatl, der einer aztekischen Legende zufolge eines Tages aus dem Osten zurückkehren sollte. Dieser folgenschwere Irrtum wurde einem ganzen Volk zum Verhängnis.

Denn statt Widerstand zu leisten, versuchte Moctezuma, die spanischen Eindringlinge mit Goldgaben und Geschenken gnädig stimmen und zur Abkehr zu führen.

Begegnung: Cortés, Malinche, Moctezuma
(Quelle: (http://elcuentodeunavida.wordpress.com)

 

Das spornte die Eroberer aber nur noch mehr an, das Reich des Moctezuma zu erobern. Zum damaligen Zeitpunkt umfasste das Imperium der Azteken Zentralmexiko von der Ost- bis zur Westküste und große südwestliche Teile Mexikos.

Cortés gutwillig gegenüberzutreten, ohne rechtzeitig zur Gegenwehr aufzurufen führte schließlich zum Sturz des Aztekenreiches. Widerstandslos ließ sich Moctezuma gefangen nehmen und verlor sein Leben. Bis heute ist ungeklärt, ob er durch spanische Hand oder durch eine Lynchaktion von Azteken getötet wurde.

Beschleunigt wurde die Eroberung des Reiches außerdem durch die von den Spaniern eingeschleppte europäische Pockenkrankheit, die einen großen Teil der indianischen Ureinwohner dahinraffte.

Wieso ist Moctezuma „schuld“ am Durchfall?

Was bei Nilkreuzfahrten auch Pharaos Rache genannt wird, wird in Mittel- und Südamerika Moctezuma zugesprochen. Doch warum ausgerechnet ihm, dem letzten aztekischen Herrscher?

Kurz vor seinem Tod soll Moctezuma, einer mexikanischen Legende nach, einen Fluch ausgesprochen haben. Demzufolge waren alle Eindringlinge dazu verdammt, im verlorenen Aztekenreich schwer zu leiden.

Zum Glück aber nicht an Pocken.

Text: Sven Tomschin

Aktualisiert: Samstag, den 25. Juni 2011 um 01:35 Uhr

Kommentar hinzufügen


Hinweis für den Benutzer